Tag 14

Der Morgen hatte so schön begonnen. Um 10 Uhr stand ich auf und ging meinen allmorgendlichen Gepflogenheiten nach. Wir wuschen ab und machten Essen, schrieben Tagebücher, eMails, Bloggs und Postkarten bevor wir bevor wir aufbrachen und noch schmetterlingfreies Brot kauften. Wir hielten noch mal an einer Apotheke an um Jenny mit Mittelchen gegen Insektenstiche zu versorgen und fuhren dann zum Cerro Ventana. Dieser Berg hatte tatsächlich ein natürliches Fenster aus Stein auf seinem Gipfel. Wir stellten das Auto an der Straße ab. Jedesmal habe ich dabei ein unangenehmes Gefühl außer Reichweite des Autos zu sein. Wir stiegen den steilen Weg zum Gipfel empor und kletterten im oberen Sektor mehrere kurze, leichte und schwere Routen. Nach einem Monat ohne Training ging mir schon in einer einfachen sieben plus die Arme auf. Wir machten Fotos, scherzten und guckten ab und zu zum Auto runter, welches man von hier oben sehen konnte. Als am späten Nachmittag bzw. Abend dunklere Wolken aufzogen und es kalt wurde, brachen wir ab und stiegen hinab. Am Auto zurückgekehrt mussten wir mit erschrecken feststellen, dass jemand den Kofferraum versucht hatte aufzubohren. Das Schloss war zerstört. Wir wurden etwas panisch. Zum Glück war die Fahrerseite noch verschlossen. Als ich sie öffnete, mussten wir wieder mit erschrecken feststellen, dass die Beifahrerseite geöffnet wurde und ich sah, dass der Innenraum komplett durchwühlt war. Wir wurden noch panischer, da sich der Kofferraum scheinbar nicht öffnen ließ. Wir versuchten die Rückbank umzuklappen, was nicht funktionierte. Das war wahrscheinlich unser Glück. Als es uns endlich gelang das kaputte Schloss mit unserem Schlüssel aufzuschließen, stellten wir fest, dass hier nichts angetastet wurde. Unsere Wertsachen waren zwar mit am Fels, aber unsere Zelte, Kocher, Schlafsäcke usw. waren hinten drin. Wir räumten alles aus und scheinbar hatten sie nichts mitgenommen. Just in dem Moment als wir die Straße betraten als wir vom Fels kamen standen wohl zwei Motorräder in unserer Nähe, die sich schleunigst entfernten als wir herannahten. Wir gingen davon aus, dass wir die Täter überrascht haben mussten. Als wir alles kontrolliert hatten, stellten wir fest, dass Jonas‘ Jacke mitgenommen wurde. Nicht von besonderem Wert, aber warm haltend. Wir versuchten die Autovermietung zu erreichen bevor wir die 911 riefen und sie uns mehr als eine Stunde statt versprochener 15 Minuten im Dunklen warten ließen. Irgendwann traf dann auch mal die Polizei ein, guckte sich das übel an und eskortierte uns mit Blaulicht zur nächsten Polizeiwache. Von dort aus wurde es Eng im Auto, da einer der Polizisten mit uns im Auto zum Kommissariat in Bariloche mitfuhr. Er erklärte uns, dass es auch chilenische Banden gäbe, die Autos aufbrechen. Angekommen nahm er die Straftat protokollarisch auf und ich musste unterzeichnen im Falle einer Falschaussage mich selber schuldig zu bekennen. Auch die Jacke wurde detailliert ins Protokoll aufgenommen, wobei noch darüber mittels Foto darüber diskutiert werden musste, ob sie jetzt Blau (azul) oder Himmelblau (celeste) wäre. Schließlich ließ sich der Polizist mit blau breitschlagen. Dann wurden noch ein paar Beweisfotos geschossen und endlich war es so spät, dass wir uns einen Campingplatz gegen 1:00 Uhr suchen mussten, da alle Hostels in Bariloche No Hay Lugar zeigten und somit restlos überfüllt zu sein schienen. Bis wir einen weniger überteuerten fanden, verging einige Zeit. An der Rezeption war keiner mehr anzutreffen und so stellten wir uns einfach irgendwo hin und gingen schlafen.